Das Ostpreußenblatt – Jahrgang 1/Folge 4 vom 22.04.1950

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    Seite 38
    Drei Neunzigjährige
    In dem kleinen Dorfe Hattlundmoor tn Angeln (Landkreis Flensburg) besuchten wir das neunzigjährige Geburtstagskind Heinrich Küster-Tublauken (mit Foto) und fanden es rüstig und bei guter Gesundheit. Die Zigarre schmeckt noch, und auch der „Kornus“. den die Gemeinde neben einem Geldgeschenk gestiftet hat, fand lebhaften Beifall und Zuspruch, besonders als Landrat Lübcke, der im Auftrage des Ministerpräsidenten von Schleswig-Holstein eine Ehrenurkunde und ein Geschenk der Landesregierung überbrachte, Heinrich Küster Bescheid tat und ihm noch viele schöne Jahre und einen geruhigen Lebensabend wünschte. Schon am frühen Morgen des Geburtstages war ein reges Kommen und Gehen, alle Nachbarn wollten dem greisen Manne die Hand drücken, Blumen und Geschenke häuften sich in dem kleinen Bauernhause, in dem Küster mit seiner Tochter wohnt, die ihm die Wirtschaft führt. Viel Schweres hat der Jubilar im letzten halben Jahrhundert erleben müssen. Das Gut Tublauken im Kreise Gumbinnen – seit mehreren Generationen im Besitze der Familie – wurde im Jahre 1914 durch Kriegseinflüsse völlig zerstört, die wertvolle, schon vom Vater betriebene Trakehnerzucht praktisch vernichtet. Heinrich Küster aber baute unverzagt wieder auf und schaffte es in drei Jahren, den alten Betrieb wieder herzustellen. Es ging wieder bergauf, aber nur um im Jahre 1944 wiederum ein jähes Ende zu finden. Im August wurde die Familie nach Heilsberg evakuiert und später im Heilsberger Dreieck von den Russen eingeschlossen. Heinrich Küsters treue Lebensgefährtin starb und der damals Fünfundachtzigjährige blieb mit seiner Tochter allein zurück. Nach mancherlei Zwischenstationen kamen beide in dem kleinen Angelner Dorf zur Ruhe. Hier will nun Heinrich Küster seinen Lebensabend verbringen. Heinrich Küster hat Zeit seines Lebens fleißig gearbeitet, und er will auch heute als Neunzigjähriger nicht die Hände in den Schoss legen. Er übt eine Kunstfertigkeit, die er im Knabenalter einem Hütejungen seines Vaters abgesehen hatte: aus Weidenruten flecht er zierliche Körbchen und Schalen zur Freude mancher Hausfrau und manchen Kindes. Wir aber wünschen unserm Landsmann weiterhin alles Gute und einen gesegneten Lebensabend.

    In Bad Harzburg beglückwünschte die Landsmannschaft der Ostpreußen ihren Landsmann August Warstat zu seinem 90 Geburtstag, den er in erfreulicher Frische im Altersheim Wiesenstraße begehen konnte. Am 13. Mai 1860 in Gr. Baum, Kreis Labiau, geboren, mußte er im Februar 1945 die ostpreußische Heimat verlassen und kam über ein Lager in Dänemark im April 1947 endlich hierher, wo Tochter und Schwiegersohn Schilling für ihn sorgten und ihm gute Unterkunft im Heim verschaffen konnten. Landsmannschaft und Zentralverband brachten dem greisen früheren Hofbesitzer ihre Glückwünsche, und der Ost-preußen-Singkreis ließ ihm mit einigen heimatlichen Liedern ein frohes Gedenken an die vergangene Zeit aufleuchten.

    Frau Emma Mierwaldt aus Königsberg konnte am 2. Mai ihren 90. Geburtstag festlich begehen zusammen mit ihrem Sohn, Konditormeister Karl Mierwaldt, der am selben Tage 60 Jahre alt wurde und Heimkehrer aus russischer Gefangenschaft ist. Als drittes Geburtstagskind konnte die Nenntochter Frau Kaethe Jeppert aus Memel auch auf dem einsamen Waldbauernhof „Hellberg“ in der Lüneburger Heide ihr Wiegenfest feiern.

    93 Jahre alt
    Witwe Auguste Ussat aus Weidenfließ, Kreis Tilsit-Ragnit, feiert in diesen Tagen ihren 93. Geburtstag. Aus Eichenhorst, Kr. Tilsit-Ragnit gebürtig und Tochter eines Landwirtes, übernahm sie mit ihrem Mann die elterliche Wirtschaft. 1945 wurde die damals 88jährige alte Frau nach Dänemark evakuiert. 194S kam sie mit einer Tochter nach Kornau, Kr. Diepholz. Zwei Töchter, fünf Enkel und fünf Urenkel gehören zur Nachkommenschaft

    82 Jahre alt wird am 2. Juni Herr Emil Hoffmann aus Königsberg, Hagenstraße 7. Herr Hoffmann, im Kreise Sensburg geboren, war Landwirt und wohnte nach dem Verkauf seiner Besitzung über dreißig Jahre in Rastenburg. Er war dort über 25 Jahre Bezirkskommissar der Feuersozietät. Als Repräsentant der „Magdeburger Hagel“ hat er bis ins hohe Alter hinein In ganz Ostdeutschland Hagelschäden geschätzt. Jetzt lebt er bei seiner Enkelin in Birlenbach bei Diez an der Lahn.

    Am 27. Mai feiert Herr Christian Küßner aus Tharau seinen 80. Geburtstag. Er ist noch verhältnismäßig rüstig. In Tharau besaß er einen Bauernhof. Jetzt lebt er bei seinem Sohn, dem Lehrer Emil Küßner in Bexten bei Schötmar

    Am 10. Mai feierte Frau Johanne Mohr aus Königsberg, die auf dem Hinterroßgarten ein Papiergeschäft besaß, ihren 80. Geburtstag in voller Rüstigkeit. Sie lebt nach gut überstandener Flucht mit ihrem jetzt 82jährigen Mann in Dietlingen bei Lüneburg

    Der Landwirt August Hennemann, ? tenberg, Krs. Goldap, wohnhaft in Hohenhorst, Ahrensbök (Holstein) begeht am 6. Juni seinen 86. Geburtstag. Er erfreut sich bester Gesundheit, beschäftigt sich täglich zwei bis drei Stunden mit Holzhacken und macht noch weite Spaziergänge

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