Bönkenwalde

Eine Sammlung von Dokumenten, Aufzeichnungen und Daten für das Kirchspiel Hohenfürst aus dem Nachlass der Ahnenforscherin Karin Rauschning

boenkenwalde

Bönkenwalde ist gegründet worden in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts, 40 Hufen groß, 1945 Größe 688 ha. Es wird 1412 erstmalig erwähnt. Der deutsche Name erlebte verschiedene Schreibformen: 1412 Beynkenwald, 1440 Benkenwald, 1480 Benickenwalt, 1828 Bynckenwald, 1785 auch Bärkwohl.
Das Dorf wurde 1414 von den Polen ausgebrannt, 1480 an Anselm und Hans von Tettau verpfändet und kam 1495 an den Bischof Johann zu Riesenburg. Im Polnischen Reiterkriege 1519/21 wurde das Dorf wieder zerstört.

Das Schulzenamt, zu dem ursprünglich 4 Hufen gehörten, kam 1534 in den Besitz der Familie Schirrmacher und blieb es bis 1831, ging in diesem Jahre auf den Kölmer Sternberg, 1862 auf Tolkmitt über, ist seit 1878 in Besitz von Hantel. Die 36 Zinshufen von Bönkenwalde waren im 16. und 17. Jahrhundert mit 9 Bauern besetzt. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts tritt eine Verkleinerung der Besitzgrößen ein. Bei der Separation von 1835 hat das Dorf 4 Grundstücke zu 4 Hufen, 1 zu 3 Hufen, 5 zu 2 Hufen, 11 zu einer Hufe und 8 Eigenkätnerstellen.
Alteingesessene Bauernfamilien: König, Gerlach, Schirrmacher, Romahn, Belgard, Schemmerling

Der Krug wird 1414 erstmalig erwähnt. Die einklassige Schule: Interims-Schulmeister bereits um 1689, seit 1787 ein eigenes Schulhaus, das jetzige Schulgebäude wurde etwa 1860 erbaut.
Der See zu Bönkenwalde. war in der Ordenszeit ein umfangreiches und fischreiches Gewässer, das 1480 erwähnt wird. Als Amtsteich gehörte er zum Amte Pellen. Im 17. Jahrhundert mußten die Bauern von Bönkenwalde die Fische aus dem See nach Altpassarge bringen.
Im Laufe der Jahrhunderte ist der See stark verlandet, durch das „Seebruch“ fließt der „Seegraben“. Das „Seebruch liefert Torf. Seit Oktober 1933 bestand ein Arbeitslager in Bönkenwalde zur Trockenlegung des Bruchs.(Emil Joh. Guttzeit Natanger Heimat-Kalender Jahrgang 1934 / Ord. Fol. 162 b S2-3)

Extrablatt im Buch Beitrag zur Heimatkunde Bönkenwalde
„Zum Vaterland fühlt sich jeder gute Mensch hingezogen und nach der Heimat stehen die Gedanken.“ Vaterhaus und Heimat! Was liegt wohl alles in diesen zwei teuren Worten! Die wirkliche Heimat kann nur ein beschränkt kleines Fleckchen Erde sein, einerlei ob er da geboren oder ihm zugewandert ist. Da muß er aber heimisch sein! Da muß ihm jeder Weg und Steg, jedes Winkelchen und Eckchen bekannt und lieb sein. „Darum hat in der Regel der Großstadtmensch die kleinste Heimat und der Dorfmensch die größte.“

Unser stilles, kleines, abgelegenes Dörflein ist einer größeren Umgegend und im Kreise bekannt durch das sogenannte „Seebruch“ und den „Seegraben“ der durch dies Torfbruch fließt. Dunkel, öde und einförmig breitet es sich in der ebenen flachen Landschaft aus, begrenzt nach der Dorfseite von einem recht steil ansteigenden Hohenzuge, auf dem auch unser dicht zusammengeschlossenes Dorf liegt. Aus dem Dunkel des umgebenden Heidekrauts und Schilfs blinkt ziemlich in der Mitte des Seebruchs eine jetzt sehr kleine offene Wasserstelle hervor: der „See“ und der „blinde See“. In alten Zeiten muß das ganze Torfbruch ein großer See gewesen sein. Der genannte Hohenzug sind Uferberge gewesen. Die Sand-, Grand- und Kiesgruben am Fuße dieser Berge beweisen das. Diese Lager geben heute für die Kreis-Chaussee und für Bauten brauchbares gutes Material her. Im Ordens-Foliant 92 A 190 Nr. 41 wird im Jahre 1480 dieser See erwähnt. Damals nahm -ganz wie heute- die Finanznot des Staates furchtbare Ausdehnung an. Der Ordensstaat mußte 31 Dörfer und die „zwene Seh Benikenwalt und Rymmelawken“ für 1600 ungarische Gulden an die Söldnerführer Anselm und Hans von Zettau verpfänden und verschreiben. An diesem See muß schon eine altpreußische Siedlung gewesen sein. Mit Vorliebe siedelten sich ja die heidnischen Urväter an Seen an und betrieben leidenschaftlich die Fischerei. Man hat beim Torfstechen sehr weit vom jetzigen See entfernt, einen Kahn einfachster Art, einen sogenannten Einbaum gefunden. Auch durchlochte Steine sind gefunden und aufbewahrt worden. Zwei Exemplare befinden sich im Besitz der Schulen Bönkenwalde und Haßelpusch. Auch aus Gräberfunden auf Höhen kann man wohl bestimmt annehmen, daß sich in der Nähe dieser heidnischen Grabstätten unser Gemeindefriedhof und ein sehr alter, hoch und herrlich gelegener Privatfriedhof befinden?

Auch später noch ist unser Dörflein nachweisbar ein ausgesprochenes Fischerdorf gewesen. In dem „Annehmungs- und Besatz-Brief des Balgaschen Amt-Bauern“ Friedrich Schemmerling, welchem unterm 25. Februar 1722 das aus 4 Huben bestehende Scharwerks-Bauern-Erbe des Martin Romahn übergeben wurde, wird neben Fischerei-Geräten ein Fischfaß aufgezahlt. Diese Urkunde ist im Besitze der noch lebenden Familie Schemmerling.“ Sie ist bemerkenswert wegen der Preise, die da angerechnet werden:

1 Scheffel Roggen 52 Gr. 9 Pfg, Gerste 37 Gr. 9 Pfg, 1 Scheffel Haaber 20 Gr. 9 Pf. Ein brauner Wallach 15 Jahre alt kostet 9 Rthlr, ein Schwartzer dito 10 Rthlr. Eine fuchsige Stutte 7 Jahre alt kostet 7 Rthlr, eine Rothe Kuh 6 Rthlr, ein Schaaf 1 Rthlr, und ein Schwein auch nur 1 Rthlr. Das Königliche Domänen-Amt „überlässet, tradiert und übergibet das ganze große Erbe“ für 154 Rthlr und 30 Gr.

Als der See immer mehr vertorfte und verschilfte, also immer kleiner wurde, kamen Rosenberger und Passarger Fischer alljährlich und fischten die „Amtsteiche“ aus, auch unsern. Die Hälfte des noch immer sehr reichen Fanges behielten die Fischer, die andere Hälfte wurde an die Besitzer nach dem Verhältnis ihrer Hufenzahl verteilt.

Wie schnell der Prozeß der Vertorfung vonstatten geht, beweist unsere Schulchronik. Vor wenigen Jahren wurde der letzte halbverfaulte Kahn heruntergeholt. Unter Jahre 1899 berichtete der damalige Lehrer, daß der See vor 12 Jahren doppelt so groß gewesen ist. Heute spielt der See gar keine Rolle mehr im Berufsleben der Dörfler. Wohl wird noch, alter Sitte und Gewohnheit gemäß, alljährlich auf dem „Gemeindetag“ die „Fischereigerechtigkeit für 1,50 Mark verpachtet.“ Wohl wird noch aus angeborener Leidenschaft gefischt, auch jeder Dorfteich durchfischt. Aber die Zeit ist nicht mehr ferne, da der See verschwunden sein wird. Nur die Schulchronik wird kommenden Geschlechtern von ihm berichten.

Was damals der „See“, das bedeutet heute das „Seebruch“ für unser Dorf! Der herbe, karge und doch schöne Flecken Heimaterde liefert Torf, das zwar nicht besonders gut, aber in dieser Zeit sehr geschätzt ist. In trocknen Jahren liefert die „Koppel“ immer noch rechtlich Futter. Im Winder werden die Binsen und Schilfgräser gehauen und als Streu verwendet. In harter saurer Arbeit ist der Besitzer bemüht, sein Bruchland durch Befahren mit Sand und Erde in ertragfähiges Ackerland zu verwandeln. Der weitaus größte Teil ist aber Unland und Ödland. Eine Entwässerung und Urbarmachung dieser Ödländereinen, die im Jahre 1916 auf Betreiben des Gutsbesitzers Herrn Hantel und des damaligen Landrats v. Siegfried mit Hilfe der gefangenen Russen in die Wege geleitet werden sollten, scheiterten leider.

Durch unser Dorf – dicht am Rande des Seebruchs vorbei – führt die Chaussee Mehlsack – Hohenfürst – Zinten. Die frühere Landstraße muß bei dem weichen Grundboden sehr schlecht und verrufen gewesen sein. Gleich hinter dem Dorfe führte diese Landstraße sehr steil zum „Puschberge“ hinauf oder umgekehrt sehr steil herab. Diese Stelle heißt heute noch im Volksmunde ganz allgemein: „Böserü“. Diese Bezeichnung stammte aus der Zeit, „als die Franzosen hier waren“. Bei den Hin- und Herzügen des LÉstoque´schen Korps und der Brigarde des Prinzen von Anhalt im Frühjahr (Juni) 1807 blieb auch unser abgelegenes Dörfchen von den Kriegsheimsuchungen und von Franzosen nicht verschont. Am Puschberg, der heute von keinem Busch mehr gekrönt wird, blieben oft Mann und Roß und Wagen stecken, Wagen zerbrachen sogar. Über diese böse „französisch rue = Straße“ wurde vom Kriegsvolke oft und kräftig geschimpft – und Böserü = böse Straße heißt diese Stelle heute noch, nach 100 Jahren.

1.9.1921 - 84
Die falsche Hoffnung
Die falsche Hoffnung
Januar 1945

Klaus Schröder, Bönkenwalde

In zwei bis drei Wochen werden wir eventuell schon wieder zurück sein. Wir wollen ja nur über die Weichsel, dann sind die Kinder in Sicherheit. Der Abschied von meinem Großvater ist kurz, Gefühle werden unterdrückt. Die Ukrainerin und der Pole wollen den Hof behüten und vor allen Dingen die im Winter hilflosen Tiere versorgen.

Die Erwachsenen wissen es, Ostpreussen ist vom Feind eingekesselt. Die einzige Möglichkeit aus unserer Sicht ist die Flucht über das Frische Haff, aber es ist auch bekannt, dass das inzwischen befahrbare Eis in der Haff-Längsrichtung gesprengt ist. Wir hoffen, dass für die im Treck ziehenden Flüchtlinge eine Notbrücke gebaut wird. Neben den schon länger vorbereiteten Fluchtwagen werden nun in aller Stille Fluchtschlitten gebaut.

Sonntag am 28. Januar 1945 bekommen wir eine Information, dass über die Wasserrinne eine einfache Brücke in Betrieb ist. Am gleichen Tag flüchten wir ca. um 22:00 Uhr bei 20 Grad Kälte, die Schneehöhe an verstiemten Fahrstellen beträgt ca. 1 Meter. Die bei uns schon seit Wochen lebenden Flüchtlinge aus dem Gebiet Tilsit und Memel ziehen mit. Erwachsene und Kinder, wir sind eine Gruppe von 11 Personen, die sich über 3 überdachte Kastenschlitten verteilen, die von 5 Pferden gezogen werden.

Am 29. Januar sind wir in Rosenberg und früh am Haff. Die Pferde werden versorgt und nach der Futterpause und gutem Wetter beginnt die Haffüberquerung. Sorgenvolle Blicke. Haben die Pferde für das Eis die richtigen Hufeisen? Wird das Eis halten? Sichtbar sind eingebrochene, vereiste Fluchtwagen und Pferde. Unsere Kaltblüter ziehen die gut gleitenden Schlitten langsam auf das Eis und mit leiser Begleitung vertrauter Kutscherworte entwickeln sie für ihr Weiterkommen ein eigenes Gefühl. Die Notbrücke ist in der Haffmitte, nach meiner Schätzung sind etwa 30 m überbrückt. Die befahrbare Kante liegt mindestens in Treppenstufenhöhe über dem Eis und das unruhige Wasser ist vor der Auffahrt sichtbar. Wieder stehen die Pferde vor einer unbekannten Situation. Vor dem Kontakt zur Brücke bleiben sie stehen. Gewöhnen sie ihre Augen und ihre Kraft auf das was vor ihnen liegt? Und dann nach dem leichtesten Zügelkontakt des Kutschers schleppen die nicht scheuenden Zugtiere unsere Schlitten über die geländerlose naturhölzerne Notbrücke.

Wir erreichen die frische Nehrung und erhalten hier unsere erste Zuweisung für eine Übernachtung. Gesorgt ist für Tier und Mensch. Nach der vollkommen durchgehenden Nacht- und Tagesfahrt über Schnee und Eis sind die Pferde stark erschöpft.

Unser nächstes Ziel ist eine Brücke über die Weichsel, die wir auch ohne Hindernisse erreichen. Die Straßen sind überfüllt, Menschen als Paket- und Kofferträger, Menschen mit kleinen und größeren Handwagen und Kindern, einspännige und zweispännige Pferdewagen oder Pferdeschlitten und Militärfahrzeuge – trotz großem Gedränge kommen wir gut über die Brücke und der Treck zieht nach Praus, eine Kleinstadt in Westpreußen.

Wir finden in einem großen Saal, der von Kindern, jungen und alten Menschen überfüllt ist, doch noch einen Platz in einer Ecke auf dem Holzfußboden. Zaghaft wird über das Wetter gesprochen, der Tag war mild, der Schnee backt an den Holzteilen am Schlitten. Es ist für uns keine gute Nacht. Die Unruhe, die Raumluft und wie wird das Wetter in wenigen Stunden sein. Früh sind wir auf den Beinen, es ist Tauwetter. Aus dem Schnee wird Matsch. Die Zeit läuft, Angst macht sich breit. Wie kommen wir weiter? Wie soll das Futter für 5 Pferde transportiert werden? Damit wir von den 3 Schlitten umladen können, benötigen wir 2 Kastenwagen. Wir versuchen es hier im Städtchen und im Umfeld. Die Stimmung steht auf Flucht, die vorhandenen Wagen benötigen die Besitzer selbst. Es hilft kein Bitten und kein Geld.

Meine zweite Mutter und ein Mitflüchtling treffen eine Entscheidung, wir müssen zurück über die Weichselbrücke. Dort werden noch die Fluchtwagen im Chausseegraben liegen. Feindliche Tiefflieger hatten einen Treck vernichtet. Einige Wagen wirkten während unserer Vorbeifahrt noch brauchbar.

Es wird sofort angespannt. Im Schlitten mit 2 Pferden und 2 Personen, ausgerüstet für zwei Tage, kämpft man sich im Gegenverkehr über die Brücke in Richtung Treckvernichtung. Warnende Zurufe zur Umkehr verfehlen ihren Zweck. Das Ziel wird erreicht, nun sorgenvolles Herzklopfen, ein Wagen ist nicht sichtbar und nun auch die Gedanken an die Zurückgebliebenen in Praust. Nach unruhigem Suchen wird doch noch an einem Feldrand ein Wagen sichtbar. Die hintere Achse ist verbogen. Werden sich die Räder drehen? Die Pferde machen wieder den Anfang und ziehen den Wagen auf einen festen Fahrweg und weiter über die schon bekannte Weichselbrücke zurück nach Praust. Die verbogene Achse ist stabil und die Wagenräder zeigen keine Schleifspuren.

Um einige Ecken und mit viel Glück wird uns ein alter Kohlenwagen verkauft, weil der Besitzer diesen so schweren Wagen für seine Flucht nicht geeignet hält. Auf unsere Pferde vertrauend kaufen wir sofort. Nun können wir die Last von drei Schlitten gut auf 2 Wagen verteilen.

Nun sind wir wieder im Treck, Wagen an Wagen und Pferde mit gesenkten Köpfen im langsamen Schritt und ungleichen Pausen, die Wehrmacht hat Vorfahrt. Auf dieser Strecke durch Pommern sind wir nicht weit von der Ostsee entfernt. Die Großmutter aus der Memellandgruppe stirbt während der Fahrt in unserem zweiten Wagen. Erst nach Tagen finden sich hilfreiche Fremde, sie versprechen eine würdige Beerdigung, so wie es in dieser Zeit möglich ist.

In der Nähe von Stolp lahmt das letzte Pferd der Memelländer so stark, dass es nur noch auf drei Beinen steht. Das Pferd soll Ruhe bekommen und so hoffen wir auf einen besseren Zustand innerhalb einer Woche und da auch unsere 4 Pferde dringend eine längere Pause brauchen, kommen wir in ein gutes Quartier. Das kranke Pferd wird in dieser kurzen Zeit leider nicht gesund. Die Entzündung am Fuß ist so schlimm, dass die Besitzer das treue Begleitpferd in andere Hände geben müssen, weil die tierärztliche Betreuung fehlt. Vier Personen aus dem Gebiet Memel-Tilsit verlassen gleichzeitig unseren Treck und reisen mit der Bahn nach Hamburg zu Verwandten.

Unsere Weiterfahrt verläuft zwischen Ostsee und dem Stettiner Haff in Richtung Schwerin. Zwischendurch treffen wir auf den Treck Lüdtkenfürst, dabei sind auch einige Personen aus Hohenfürst und Bönkenwalde. Nach einem Gedankenaustausch ziehen die Gruppen wieder getrennt weiter.

Cirka acht Stunden später, nachdem wir Schwerin verlassen haben, wird die Stadt vom Feind angegriffen.

Langsam ziehen wir durch Mecklenburg. Es wird wärmer. Tiefsinnig wandern Blicke über die Ackerflächen und es ist klar, dass wir unsere Felder im Frühjahr 1945 nicht mehr für die Bepflanzung und Aussaat vorbereiten können.

Die erste Nacht in Schleswig-Holstein verbringen wir in Ratzeburg. In der Stadt begegnet uns der Dom. Vom Halteplatz haben wir einen guten Blick auf den Ratzeburger See. Hier spüren wir eine andere Umgebung. Es kommt ein zuversichtliches Gefühl auf, dass wir von den russischen Soldaten nicht mehr erreicht werden. Wir fahren in ein anderes Land und wundern uns über die Abgrenzung der einzelnen Felder, die durch aneinander gereihte hohe Büsche geschützt sind.

In Nortorf erhalten wir die Anweisung zur Endstation in das Dorf Innien im Aukrug. Bevor wir das Städtchen Nortorf verlassen, werden wir von englischen Tieffliegern beschossen. Das Geschenk, dass Pferde, Wagen und Personen nicht verletzt bzw. zerstört werden, kommt vom Himmel.

Es ist Karfreitag und es sind noch 11 km bei gutem Wetter bis Innien. 8 Wochen Treck liegen hinter uns.

Nun haben wir die Dorfeinfahrt erreicht. Wir sprechen nicht, aber unsere Augen erkennen eine andere Dorfart als Bönkenwalde. In der Stille des Dorfes hören wir nur das uns vertraute Geräusch, das 2 Gespanne mit 2 schweren Kastenwagen hinterlassen. Zwei Fuhrwerke, die Wagen sind mit Teppichen und Planen überdacht, mit hier noch nicht bekannten Kaltblütern, davon tragen 2 Zuchtstuten das Hauptstammbuch-Brandzeichen, bleiben auf der Hauptstraße etwa in der Dorfmitte stehen. Wir werden erwartet und man sagt uns, dass wir die ersten Flüchtlinge im Dorf sind. Pferdekenner staunen, dass nach 8 Wochen Treck unsere Pferde in dieser kalten Jahreszeit die Strapazen überlebt haben. Der mit uns geflüchtete Pole hatte schon in Ostpreußen diese Pferde betreut. Sie waren ihm so vertraut, dass erwährend der ganzen Flucht mit diesen wertvollen Arbeitstieren Tag und Nacht verbunden war.

Die Pferde werden zuerst auf mehrere Bauernhöfe verteilt. Der Pole erhält eine Zuweisung bei einem Bauern in einem anderen Dorf. Er und 2 Personen aus dem Gebiet Memel-Tilsit, sie waren für uns drei Bönkenwalder eine große Stütze, bekommen in der Dorfmitte durch Einweisung eine Unterkunft bei einem Kleinbauern.

Großvaters Wunsch, die Rettung der Kinder war erfüllt, aber unter welcher Angst der Altbauer Hermann Schröder gelitten hat, können wir nur ahnen.

Unsere Hoffnung war falsch – wir wollten doch in einigen Wochen wieder Zuhause sein.

Haushaltungen - 1925 und 1910: 67, 1817: 21, 1785: 20 Einwohner - 1925: 288, 1905: 306, 1880: 381, 1867: 381, 1817: 165

Nach einem Entwurf von Frau Lehmann geb. Lau
Überarbeitet von Bernhard Rauschning in Zusammenarbeit mit Rüdiger Hantel

Einwohner Bönkenwalde 1926

Bönkenwalde: : Amtsbezirk Hohenfürst, Amtsvorsteher Lange, Klein Lüdtkenfürst, Gemeindevorsteher: Hermann Schröder, Kirchspiel: Hohenfürst, Landjägeramt: Bönkenwalde, Postanstalt: Hanswalde S68L Adreßbuch Krs. Hbl v 1926

Familienname mit A bis M
Heinrich Arndt, Deputant Bönkenwalde S68L Adreßbuch Kreis Heiligenbeil 1926
August Böhm, Landwirt Bönkenwalde S68L Adreßbuch Kreis Heiligenbeil 1926
Friedrich Bönke, Landwirt Bönkenwalde S68L Adreßbuch Kreis Heiligenbeil 1926
Gustav Bönke, Landwirt Bönkenwalde S68L Adreßbuch Kreis Heiligenbeil 1926
Friedrich Dreher, Arbeiter Bönkenwalde S68L Adreßbuch Kreis Heiligenbeil 1926
Minna Duwe, Bönkenwalde S68L Adreßbuch Kreis Heiligenbeil 1926
Robert Domnowski, Landwirt Bönkenwalde S68L Adreßbuch Kreis Heiligenbeil 1926
Amalie Votel (+24.1.1931), Witwe Bönkenwalde S68R Adreßbuch Kreis Heiligenbeil 1926
Franz Fedderau, Landwirt Bönkenwalde S68L Adreßbuch Kreis Heiligenbeil 1926
Hermann Fischer, Maurer Bönkenwalde S68L Adreßbuch Kreis Heiligenbeil 1926
Otto Fischer, Maurer Bönkenwalde S68L Adreßbuch Kreis Heiligenbeil 1926
Robert Votel, Landwirt Bönkenwalde S68R Adreßbuch Kreis Heiligenbeil 1926
Alfred Hantel, Landwirt Bönkenwalde S68L Adreßbuch Kreis Heiligenbeil 1926
August Hermann, Kätner Bönkenwalde S68L Adreßbuch Kreis Heiligenbeil 1926
Auguste Hildebrandt, Bönkenwalde S68L Adreßbuch Kreis Heiligenbeil 1926
Emil Hill, Deputant Bönkenwalde S68L Adreßbuch Kreis Heiligenbeil 1926
Gustav Hill, Landwirt Bönkenwalde S68L Adreßbuch Kreis Heiligenbeil 1926
Hermann Hill, Landwirt Bönkenwalde S68L Adreßbuch Kreis Heiligenbeil 1926
Rudolf Hill, Landwirt Bönkenwalde S68L Adreßbuch Kreis Heiligenbeil 1926
Eduard Hülse, Landwirt Bönkenwalde S68L Adreßbuch Kreis Heiligenbeil 1926
Heinrich Hellmer, Landwirt Bönkenwalde S68L Adreßbuch Kreis Heiligenbeil 1926
Leopold Hellwig, Arbeiter Bönkenwalde S68L Adreßbuch Kreis Heiligenbeil 1926
Eduard Kähler, Rentner Bönkenwalde S68L Adreßbuch Kreis Heiligenbeil 1926
Eduard Kommke, Deputant Bönkenwalde S68L Adreßbuch Kreis Heiligenbeil 1926
Franz Kämmer, Landwirt Bönkenwalde S68L Adreßbuch Kreis Heiligenbeil 1926
Friedrich Kämmer, Rentner Bönkenwalde S68L Adreßbuch Kreis Heiligenbeil 1926
Gustav Kommke, Bönkenwalde S68L Adreßbuch Kreis Heiligenbeil 1926
Franz Kallweit, Schuhmacher Bönkenwalde S68L Adreßbuch Kreis Heiligenbeil 1926
Korseck, Arbeiterwitwe Bönkenwalde S68L Adreßbuch Kreis Heiligenbeil 1926
Paul Kastka, Oberlandjäger Bönkenwalde S68L Adreßbuch Kreis Heiligenbeil 1926
Hermann Kollin, Landwirt Bönkenwalde S68L Adreßbuch Kreis Heiligenbeil 1926
Richard Kinder, Deputant Bönkenwalde S68L Adreßbuch Kreis Heiligenbeil 1926
Albert Lapuß, Deputant Bönkenwalde S68L Adreßbuch Kreis Heiligenbeil 1926
Auguste Lindenau, Witwe Bönkenwalde S68L Adreßbuch Kreis Heiligenbeil 1926
Adolf Müller, Bönkenwalde S68L Adreßbuch Kreis Heiligenbeil 1926
Friedrich Mintel, Arbeiter Bönkenwalde S68L Adreßbuch Kreis Heiligenbeil 1926
Gustav Melchin, Deputant (Instleute von Hantel) Bönkenwalde (Ki: 1. Ruth 1938 auf dem Klassenfoto mit Lehrer Neubacher) S68L Adreßbuch Kreis Heiligenbeil 1926
Henriette Marter, Bönkenwalde S68L Adreßbuch Kreis Heiligenbeil 1926
Hilmar Müller (ca.*1888), 1911 - 1945 1. Lehrer in Bönkenwalde S568 d Krs Hbl, i.R. (70J) +16.2.1958 in Bad Zwischenahn S160 Hb Hbl 06/1959 1vu, / S68L Adreßbuch Kreis Heiligenbeil 1926
Familienname mit N bis Z
Karl Nieswandt, Kätner Bönkenwalde S68L Adreßbuch Kreis Heiligenbeil 1926
Hermann Paschke, Landwirt Bönkenwalde S68L Adreßbuch Kreis Heiligenbeil 1926
Friedrich Radtke, Landwirt Bönkenwalde S68L Adreßbuch Kreis Heiligenbeil 1926
Wilhelmine Reich, Witwe Bönkenwalde S68L Adreßbuch Kreis Heiligenbeil 1926
Franz Reimann, Landwirt Bönkenwalde S68L Adreßbuch Kreis Heiligenbeil 1926
Albert Schink, Landwirt Bönkenwalde S68L Adreßbuch Kreis Heiligenbeil 1926
Berta Springer, Witwe Bönkenwalde S68R Adreßbuch Kreis Heiligenbeil 1926
Emil Springer, Landwirt Bönkenwalde S68R Adreßbuch Kreis Heiligenbeil 1926
Friedrich Schemmerling, Bönkenwalde S68L Adreßbuch Kreis Heiligenbeil 1926
Gustav Schulz, Landwirt Bönkenwalde S68L Adreßbuch Kreis Heiligenbeil 1926
Hermann Schaff, Landwirt Bönkenwalde S68L Adreßbuch Kreis Heiligenbeil 1926
Hermann Schirrmacher, Bönkenwalde S68L Adreßbuch Kreis Heiligenbeil 1926
Hermann Schönhoff, Arbeiter Bönkenwalde S68L Adreßbuch Kreis Heiligenbeil 1926
Hermann Schröder, Landwirt Bönkenwalde S68L Adreßbuch Kreis Heiligenbeil 1926
Laura Springer, Witwe Bönkenwalde S68R Adreßbuch Kreis Heiligenbeil 1926
Wilhelmine Stumpf, Witwe Bönkenwalde S68R Adreßbuch Kreis Heiligenbeil 1926
Friedrich Thal, Schneider Bönkenwalde S68R Adreßbuch Kreis Heiligenbeil 1926
Gustav Thurau, Landwirt Bönkenwalde (+ auf der Flucht 2.WK, oo Johanna geb. Paul *10.4.1872 + 20.6.1960 (Ostpreußen Blatt 8.10.60) filius Paul *25.5.1914 Böw +25.2.1989 in Klein Flöte, Landwirt 10,75 ha in Bönkenwalde oo Herta geb. Fischer *17.10.1914 Eisenberg + 4.6.1993 Klein Flöte 5 f. S68R Adreßbuch Kreis Heiligenbeil 1926
Gustav Tiedtke (Gnoza), Bönkenwalde S68R Adreßbuch Kreis Heiligenbeil 1926
August Venohr, Schuhmacher Bönkenwalde S68R Adreßbuch Kreis Heiligenbeil 1926

Was mir mein Vater Konrad Hantel (*7.4.1914 Bönkenwalde) in der Adventszeit über unsere Heimat Ostpreußen erzählte

1Winterfreuden in Ostpreußen
Er zündete eine große, rote Adventskerze an und begann mit den :Winterfreuden in Ostpreußen Der Winter beginnt in Ostpreußen meist sehr früh. Schon im Oktober setzen starke Fröste ein, so dass in kurzer Zeit Teiche und Bäche zugefroren sind. Damit begann die herrliche Zeit des Schlittschuhlaufens. In sausender Fahrt jagten wir Kinder dann über das spiegelblanke Eis. Wer keine Schlittschuhe hatte, brauchte nicht abseits zu stehen, sondern begnügte sich mit „Schlorren“. Ganz Gewitzte befestigten unter ihren „Holzschlorren“ (Holzpantinen) einen dicken Draht, um noch schneller über das Eis „schorren“ (gleiten) zu können. Gefährlich für uns waren die Löchter, die in deas Eis geschlagen wurden, um Wasser für das Vieh zu schöpfen. Die Bauern nannten diese Eislöcher „Wuhnen“. Man konnte sehr leicht in eine solche „Wuhne“ hineinschorren.
Großes Vergnügen bereitete uns Kindern der Krengelschlitten“ (krengeln = drehen). In der Mitte des Teiches wurde ein Pfahl in das Eis gerammt, so dass er ungefähr einen Meter über das Eis hinausragte. Mit einem eisernen Bolzen wurde dann an diesem Pfahl eine Lange Stange so befestigt, dass man sie drehen konnte. An das andere Ende der Stange banden wir einen Rodelschlitten, auf den sich einige Kinder setzen konnten. Alle anderen Kinder schoben und an der Stange, so dass der Schlitten wie ein Karussell im Kreise herumsauste. Und wie oft kam es vor, dass wir vom Schlitten herunterpurzelten und auf dem Hosenboden über das Eis rutschten!
Wenn dann aber der erste Schnee gefallen war, ging es mit unseren Rodelschlitten zum Grundberg – oder aber ein Bauer lieh uns ein ruhiges Pferd, das vor eine Reihe Rodelschlitten gespannt wurde. Im gemächlichen Trag bing es dann die Straße entlang, wobei wir oft umkippten und in den Schnee purzelten.
Ein Festtag war es für uns Kinder, wenn wir mit dem großen „Klingerschlitten“ mitfahren durften. Die ganze Familie wurde dann in dicke Pelze und Pelzdecken im Schlitten verpackt, und zwei Pferde zogen mit lustigem Gebimmel den Klingerschlitten durch die verschneite Landschaft. Ich werde die ostpreußischen Winter mit dem klirrenden Frost und meterhohen Schnee wohl nie vergessen, denn sie gehören zu meinen schönsten Kindheitserinnerungen
2Der ostpreußische Sommer
Am 2. Advent: der ostpreußische Sommer – jetzt brennen 2 rote Kerzen –
Wenn die Heuernte beendet war, begann das Torfstechen. Zuerst wurde die Grasdecke abgestochen, der Torf mit großen Schaufeln ausgehoben und in die Torfpresse geworfen, unten kam dann der gepresste Torf wie eine lange schwarze Wurst heraus. Zu Ziegeln abgestochen wurden diese zum Trocknen auf einer Grasfläche ausgebreitet. Nach einigen Wochen wurden sie gekantet, d. h. sie wurden hochgestellt, damit der Wind die Torfziegel von allen Seiten trocknen konnte. Später wurden sie zu Haufen aufgeschichtet und blieben bis zum Herbst stehen. Dann waren die Torfziegel richtig trocken und wurden eingefahren. Dieser Torf gab dann im Winter ein gutes Brennmaterial ab.
Dieses Torfmoor hieß im Volksmund „Torfbruch“. Hier wuchs sogar eine fleischfressende Pflanze, der Sonnentau. Oft haben wir beobachtet, wenn sich die Blütenblätter wie gefährliche Arme über einer Fliege zusammenschlossen und sie nicht wieder freigegeben. Für uns waren die Kreuzottern gefährlich, die es auf dem Torfbruch in großer Anzahl gab. Deshalb durften wir Kinder auch niemals barfuß über das Torfmoor laufen. Mein Vater hat häufig besonders große Kreuzottern mit zwei Astgabeln lebend gefangen, um sie den Volksschulen zu überlassen. Auch Kraniche und Fischreiher gab es hier.
Sonntags fuhren wir die 5 km nach Hohenfürst zum Gottesdienst. Die nächste Bahnstation war Lichtenfeld 8 km entfernt. Der beliebteste Vogel aber, der auf dem Torfbuch und auf den Wiesen und Feldern den Fröschen und Mäusen das Leben schwer machte, war „Meister Adebar“, der Storch. Eines Tages beobachtete ich, wie „unser“ Storch mit einem hängenden Flügel immer im Kreise herumhüpfte. Neugierig ging ich näher heran und sah eine Kreuzotter, die immer wieder in den hingestreckten Flügel biß. Nach einiger Zeit schien die Schlange ermüdet zu sein. Da versetzte ihr der Storch einen unbarmherzigen Hieb mit seinem langen Schnabel, schnappte zu und flog mit ihr auf das Dach zu seinem Nest.
„Meister Adebar“ pflegte auch in Ostpreußen die kleinen Kinder zu bringen. Deshalb empfingen wir Kinder unsere Familie Adebar, wenn sie im Frühjahr aus dem Süden zurückkehrten, mit den Versen, ob es immer geholfen hat, weiß ich nicht
Storch, Storch Bester,
Bring mir doch ´ne Schwester!
Storch, Storch, guter,
bring mir doch ´nen Bruder!
Auf dem Dach unseres Pferdestalles war ein kleiner Holzturm, in dem eine Glocke hing. Das Seil, mit dem die Glocke in Bewegung gesetzt wurde, baumelte bis zur Erde. Mit dieser Glocke wurden Arbeitsbeginn und Mittagspause eingeläutet. Alle Bönkenwalder richteten sich nach diesem Glockenzeichen.
Zu einem großen Bauernhof gehören Wohnhaus, Stallgebäude, Scheunen und einige „ Insthäuser“ . Das sind Häuser, in denen die Arbeiterfamilien wohnen. Eins dieser Insthäuser war zu Lebzeiten meines Vaters vermietet. Hier erlernte ein gewisser Wilhelm Voigt (*13.2.1849 in Tilsit + 1922)

voigt-wilhelm-boenkenwalde
das Schuhmacherhandwerk. Er wurde später in ganz Deutschland als der "Hauptmann von Köpenick" bekannt, dessen Geschichte wohl jeder kennt. Leider ist von Bönkenwalde nie die Rede.

hauptmann-von-koepenick (kl. Bild: Polizeifoto)
3Vom alten ostpreußischen Brauchtum
Der 3. Advent, und die dritte Adventskerze ist angezündet. Während die Bratäpfel nach heimatlicher Art auf dem Ofen brutzeln und mit ihrem Duft eine weihnachtliche Stimmung hervorzaubern, erzählte er vom alten ostpreußischen Brauchtum
In den kleinen, abgelegenen Bauerndörfern war man immer mehr aufeinander angewiesen als in einer Stadt. Die Nachbarn standen stets hilfreich zur Seite, und Freud und Leid wurden stets geteilt.
So war es ein alter Brauch, dass sich alle Nachbarn am Sarge eines Verstorbenen versammelten, um Totenwache zu halten. Diese wurde am Abend vor dem Begräbnis bis 12 Uhr nachts am offenen Sarg vorgenommen. Es wurde nicht gesprochen, nur einige Choräle wurden gesungen. Nach der Beerdigung kamen die Freunde und Nachbarn zusammen, bei der die Hausfrau das Beste aus Küche und Keller auftischte.
Ein anderer Brauch war das „ Schmackostern“ . Die jungen Burschen schnitten Birken- oder Kaddigreiser ab und versuchten, die Nachbarn in der Frühe des Ostermmontags mit diesen Reisern aus den Betten zu „ schmackostern“ . Dazu wurde dieser Spruch gesagt:
Schmackoster, Grünoster, gebt Eier und Speck, dann geh ich gleich weg!.
Die so gesammelten Eier wurden dann zu Hause als Rührei mit viel Speck verzehrt.
Ich erinnere mich noch sehr gerne an die Johannifeuer, die in der kürzesten Nacht des Jahres abgebrannt wurden. Alle Bauern des Dorfes fuhren aus ihren Wäldern trockene Bäume, Sträucher und Äste auf den Grundberg. Der Holzstoß war so hoch, dass man eine ganze Tanne hineinstellte. Mein Vater zündete den Holzstoß an, und der Lehrer hielt eine Rede an die Schulkinder, in der er über den Sinn dieser Feierstunde sprach. Es wurden Volkslieder gesungen – dann tanzte die Dorfjugend zu den Klängen einer Harmonika - Wenn das Feuer fast ausgebrannt war, fassten die jungen Burschen ihre Mädchen und sprangen mit ihr über das Feuer. Wer einen besonders hohen Sprung tat, wurde mit lautem Beifall belohnt.
Ein Lied, das ich nie wieder gehört habe, ist mir in schwacher Erinnerung, es endete mit dem Kehrreim „ Ja, dabei soll´s bleiben“ .
4Weihnachtserlebnisse in Ostpreußen
Die 4. Kerze des Adventskranzes ist angezündet, und mein Vater beginnt seine Erzählungen über die :Weihnachtserlebnisse in Ostpreußen
Für mich war die Adventszeit immer die schönste Zeit des Jahres. Im Gegensatz zu heute wurden Pfefferkuchen, Bonbons, Marzipan und anderes Weihnachtsgebäck von meiner Mutter selbst gebacken. Ich durfte natürlich mithelfen und musste fleißig Sterne, Monde und andere Figuren ausstechen. In unserm Garten wuchsen außer Haselnußsträuchern sogar ein großer Walnussbaum, so dass wir keine Nüsse zu kaufen brauchten. Die Walnüsse wurden geerntet, bevor der Frost einsetzte. Sie wurden auf dem Speicher zum Trocknen ausgebreitet und dann in Säcke gefüllt. Sie schmeckten uns allen besser als die Gekauften. Zum Weihnachtsfest gehörte außer einer Weihnachtsgans auch ein Hase, den der Vater selbst schoß. Meine Mutter verstand es besonders gut, einen Hasenbraten zuzubereiten.
Einige Tage vor dem Weihnachtsfest packte mein Vater Säge und Axt in einen Kastenschlitten, zwei Pferde wurden eingespannt, und los ging es in unseren Wald, um Weihnachtsbäume zu holen. Zuerst wurde eine große Tanne ausgesucht, die Vater immer der Dorfschule stiftete. Dann schlugen wir noch einige kleinere Tannen für unsere Arbeiterfamilien. Zuletzt suchte Vater die Tanne aus, die bei uns zu Hause stehen sollte. Mir schien natürlich kein Baum gut genug. Vater nahm stets noch eine Menge Tannenzweige mit, die wir notfalls noch einbohren konnten. Die Rückfahrt war auch aufregend, denn die Wald- und Feldwege waren oft tief verschneit, und der Schlitten drohte manchmal umzukippen. Waren wir zu Hause angekommen, holte Vater den uralten hölzernen Christbaumständer vom Speicher, und die Tanne wurde darin befestigt. Das Schmücken übernahm stets die Mutter. Es kamen nur weiße Kerzen, Engelhaar und Watteflocken in den Baum – für mich der schönste Weihnachtsbaum, den es geben konnte.
Am Heiligen Abend wurden nicht nur wir Kinder beschert, sondern auch unsere Instleute, Knechte und Mägde. Gemeinsam saßen wir unter dem Lichterbaum, sangen unsere alten schönen Weihnachtslieder, und wir Kinder mussten unsere Gedichte vortragen, die wir gelernt hatten. Erst dann wurden die Geschenke überreicht, über die wir uns immer von Herzen freuten. Die Weihnachtsfeiertage verlebten wir im Familienkreise. War das Wetter nicht zu kalt, wurden Schlittenfahrten unternommen. Heimatblatt Heiligenbeil 14/1968 S221 ff
Prämierter Aufsatz von 1963 v Rüdiger Hantel (*27.4.1949) leicht verkürzt

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Einige Daten von Bewohner von Bönkenwalde


Nr. 12: Johann Wilhelm Neubert (ca.*1758/59 + 1.5.1814, 2 min. Söhne), angeh. Gastwirt in Pellen, morte Johann Neubert Burgwirth einziger Sohn et Stiefsohn Martin Johann Friedrich Schlicht, königlicher Unterförster in Komkeim olim Unterofficier von Donath 30 Jahre, oo 30.12.1788 Maria Elisabeth geb. Steinau (ca.*1764), des Gottfried Klucke Witwe 24 Jahre (Kinder: Johann Gottfried *27.6.1789 + 17.7.1805 / Johann Gottlieb *5.11.1798 + 10.8.1801 // 1. Christina *23.4.1791 / 2. Carolina Wilhelmina *30.8.1793 (angeblich des Jacob Neubert + 12.1789: 2.Tochter Carolina Wilhelmina ca.*1792 oo 23.11.1817 George Margenfeld) / 3.Tochter Charlotta *26.1.1796 oo 5.9.1819 Michael Taschinsky / 4. Johann Carl *17.2.1801 / 5. Anna Maria *13.1.1805 oo 20.3.1836 Gottfried Nitsch Hermsdorf / 6. Johann Wilhelm *18.5.1809 ( S.53 rechts 1 von oben Film-Nr. 1814464)


p.(Vater) Gottfried Nitsch ev. *1798 + Hermsdorf, oo 20.3.1836 in der Kirche zu Hermsdorf Anna Maria Neubert *16.1.1805 Pellen (Kinder: Anna Regina *26.3.1836 + 17.5.1902 Bönkenwalde, oo Gottfried Schröder Bönkenwalde) /Privat


p. (Vater) Gottfried Schröder *10.10.1823 Hohenfürst + 11.7.1877 Bönkenwalde, Wirth, vor oo1863 Kirche Hohenfürst Anna Regina Nitsch *26.3.1836 Hermsdorf , ev, + 17.3.1902 Bönkenwalde (Kinder: *in Bönkenwalde: 1. Hermann *22.1.1864 oo Minna Bender / 2. ? Halbbruder Gottfried, ledig, + 1944 Bönkenwalde / 3. Gustav wohnte in Wehlau /Pregel, verheiratet, Kinder: Liesbeth und Walter ?Koblenz

Standesamt Eisenberg 1902: Nr. 6: Besitzer August Ewert, Bauer, verwittwet, bekannt, ev *13.1.1873 in Hanswalde, mittelgroß, kräftig, dunkelblond, Kriegsteilnehmer 2.8.1914-29.8.1918, + 10.1.1948 in Güterfelde b. Potsdam, Sohn des + Eduard Ewald Wirt und seiner lebenden Ehefrau Wilhelmine geb. Nehmert oo 11.7.1902 in Eisenberg Mathilde Wilhelmine Tietz, ledig bekannt, ev. *12.6.1871 in Eisenberg, mittelgroß, schlank, braun, dunkelblond + 15.5.1940 Hanswalde, Tochter des Carl Tietz Wirt und seiner Ehefrau Wilhelmine geb. Schulz aus Rödersdorf, beide wohnhaft Eisenberg Zeugen:
1. Leopold Schulz Besitzer Rödersdorf 55 Jahre
2. Leopold Neumann Besitzer Klein Liedtkenfürst 33 Jahre
Kinder: *Hanswalde: RUDOLF Herbert *22.12.1911 + 10.7.1912 / Tochter *+ 15.11.1905 / Tochter *+ 9.10.1906 / Sohn *+ 12.9.1909 / Rudolf *22.12.1911 + 10.7.1912 // 1. Reinhard *27.9.1895 + 24.4.1967 / 2. FRIEDA Herta *18.4.1904 + 24.6.1938 oo 19.6.1931 Herbert Schröder Besitzer Bönkenwalde / 3. Betty *30.8.1914 + 3.11.1954 - lebten in Hohenfürst oo Paul Schwill *4.6.1903 Eisenberg + 10.5.1971 Leiferde ( 4. von unten S. 108 Kartei Schulz /priv., 1. von unten S. 108 Kartei Schulz 1. von oben S.109 Kartei Schulz)

Hermann Schröder *22.1.1864 Bönkenwalde, Bauer, ev.luth, groß, dunkelblond, mit 60 Jahren sehr kräftig vermißt seit 02.1945 oo 11.1.1901 Kirche Eisenberg Vaters Mutter: Berta MINNA geb. Bender, Bäuerin ev.luth, *27.4.1876 Kahlwalde Kirchspiel Eisenberg + 12.3.1940 Bönkenwalde, groß, kräftig, blaugrau, dunkelblond (Kinder: *in Bönkenwalde: 1. Richard *22.2.1902 + 24.9.1956 oo17.9.1926 Helene Voß *18.1.1903 Rauschbach + 2.3.1988 Stade / 2. HERBERT Ewald *15.5.1904 oo19.6.1931 Frieda Ewert 2.oo 9.6.1941 Ursula Arndt *9.5.1921) /priv.

Richard Schröder *22.2.1902 Bönkenwalde, Bauer Hof Schneckenberg bei Balga, ev.luth., mittelgroß, untersetzt, blaugrau, dunkelblond, + 24.9.1956, oo 17.9.1926 Helene Voß *18.1.1903 Rauschbach + 2.3.1988 Stade, mittelgroß, kräftig, blaugrau, dunkelblond (Kinder: *in Balga: 1. Gerhard *9.10.1927 / 2. Lieselotte *7.7.1929 ^1943) /priv.

HERBERT Ewald Schröder *15.5.1904 Bönkenwalde + 23.9.1971 Aukrug-Innien, Bauer, ev.luth., mittelgroß, hellblau, dunkelblond, vermißt seit 02.1945 1.oo19.6.1931 in Deutsch-Thierau FRIEDA Herta Ewert *18.4.1904 Hanswalde + 24.06.1938 mittelgroß, kräftig, blau, blond 2.oo 9.6.1941 Stablack URSULA Veronika Valeska Arndt *9.5.1921 Tiefensee (Kinder *in Bönkenwalde: 1. KLAUS Martin *bekannt, ev.Kirche in Innien Schleswig-Holstein, oo Barbara Eva Maria geb. Sanden *bekannt Oppeln/Oberschlesien, (Kinder: BERNOLD Olaf *bekannt ~ bekannt, kath. Krefeld oo bekannt Singapur Amber M.-C. geb. Lee aus Honkong filius bekannt Krefeld, kath. Bankok / 2. Angelika *bekannt, oo Peter Goldammer) /priv.

Hochzeits Herbert Schröder / Frieda geb. Ewert, Gruppenfoto 19.6.1931

Familie: Herbert Schröder, Frieda geb. Ewert und Sohn Klaus mit Hund

Herbert Schröder auf seinem Hof in Bönkenwalde ca. 1943

Berta Schröder geb. Bender mit Schwiegertochter Frieda Schröder geb. Ewert und Sohn Klaus

Ehefrau Ursula Schröder geb. Arndt aus Tiefensee mit Tochter Angelika und Halbbruder Klaus

Unvergesßlich ein Spaziergang - Felder - Moorwiese - Torfbruch - Tiefmoor mit nicht festem Untergrund und plötzlich - in der Lichtung der See - Für meinen Vater und mich DAS BÖNKENWALDER PARADIES

Klaus Schröder

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